Waldburg-Zeil Kliniken
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CHEFÄRZTE DES LUNGENZENTRUMS SÜD-WEST INFORMIEREN

Nicht resignieren bei COPD oder Lungenkrebs

Wangen - Unter dem Titel „Lunge Up2date“ informierten Dr. Dominik Harzheim und Dr. Philipp Meyn vom Lungenzentrum Süd-West an den Fachkliniken Wangen kürzlich im Rahmen der Vortragsreihe „Mittwochs bei den Waldburg-Zeil Kliniken“ darüber, welche Auswirkungen Luftverschmutzung und Lungenerkrankungen auf die Gesundheit haben.  
Umweltverschmutzung, aber vor allem das Rauchen, spielen eine gewichtige Rolle in der Entstehung und Verschlechterung der drei wichtigsten Erkrankungen der Atemwege und Lunge - Asthma bronchiale, chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD) und Lungenkrebs.  
Allein von chronisch obstruktiver Bronchitis sind weltweit 384 Millionen Menschen betroffen, in Deutschland etwa jeder achte. Weltweit sind die dauerhaft verengten Bronchien und die defekten Lungenbläschen die vierthäufigste Todesursache. Ein Lungenemphysem nennt man auch „Bläh-Lunge“, weil bei dieser Erkrankung durch verengte Atemwege bei jedem Atemzug vermehrt Luft in der Lunge zurückbleibt, sich auf Dauer die Wände zwischen den Lungenbläschen auflösen und weniger Lungenoberfläche für den Gasaustausch zur Verfügung steht. Die Folgen sind: Atemnot, Husten und eine geringe Leistungsfähigkeit, weil Atemvolumen und Gasaustausch stark eingeschränkt sind – der so genannte AHA-Effekt... Auch beim Asthma sind die Bronchien übrigens verengt, wies Meyn hin. Im Unterschied zur COPD bleibt diese Enge jedoch nicht dauerhaft bestehen, ist variabel.  
  
 

Blählunge behandeln

 
Was kann man nun gegen die chronische Verengung der Bronchien bei COPD tun? Das wichtigste, da waren sich die beiden Lungenspezialisten einig, ist, mit dem Rauchen aufzuhören und Umweltbelastungen zu vermeiden. Zu einer maßgeschneiderten Inhalations-Therapie kommen bei Infekten Antibiotika und / oder Kortison. Die verbliebene Leistungsfähigkeit, empfahlen Harzheim und Meyn, müsse unbedingt mit Lungensport trainiert werden. Denn nur eine Lunge, die gefordert wird, erfüllt auch einen Dienst. Mit Physio- und Atemtherapeuten können COPD-Patienten darüber hinaus die richtige Atemtechnik erlernen und üben, wie sie Sekret, also Schleim, lockern können. Auch die richtige Hustentechnik schafft Erleichterung. Durch Entlastung und Distanzierung vom Alltag während einer Reha haben chronisch erkrankte Patienten oft endlich Zeit, diese lebensnotwendigen Techniken intensiv zu üben und in ihre tägliche Routine zu übernehmen. In schweren Fällen hilft eine Langzeitsauerstofftherapie oder eine nicht-invasive Beatmung. Nicht-invasiv bedeutet „ohne Beatmungstubus“ mit einer Atemmaske, die in der Regel nachts getragen wird.  
  
  

Endoskopische Volumenreduktion

 
Viele COPD-Patienten atmen mehr Luft ein, als sie durch ihre gestörte Atmung wieder ausatmen können. „Aber die Luft muss natürlich wieder raus aus der Lunge“, sagte Harzheim. „Denn die Lunge plustert sich auf, es bleibt kein Platz mehr zu atmen. Die aufgeblähte Lunge erschwert die Einatmung zunehmend, jeder Atemzug wird anstrengend.“ Um der Überblähung der Lunge entgegenzuwirken, reduzieren Spezialisten wie Harzheim und Meyn zusammen mit ihren Kollegen von der Thoraxchirurgie in Wangen das Volumen der Lunge. Das kann ganz herkömmlich mit dem Skalpell geschehen, aber auch nicht invasiv durch Lungenventile, Spiralen – sogenannte Coils -, Heißdampf zur Schrumpfung des Lungengewebes oder mit speziellem Schaum, der sich an das erkrankte Gewebe anbindet. Ziel aller dieser Verfahren ist es, die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen und ihren Bewegungsradius zu vergrößern.  
Die endoskopische Lungenvolumenreduktion, insbesondere die Ventiltherapie, erweitert das Therapiespektrum für besonders stark eingeschränkte Patienten erheblich, vor allem, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft sind. Vorteil der endoskopischen Volumenreduktion ist, dass dem geschwächten Patienten ein schwerer chirurgischer Eingriff erspart bleibt. Im Unterschied zur Raffung des Lungengewebes mit Spiralen (Coils) sorgen die endoskopisch eingesetzten Ventile dafür, dass Luft aus den geschädigten Lungensegmenten ausströmen kann, aber nicht wieder hineinströmt. So werden die überblähten Abschnitte sozusagen entlüftet und der erkrankte Bereich verkleinert. „Am Lungenzentrum Süd-West bieten wir alle modernen Behandlungsmöglichkeiten für COPD- und Emphysempatienten an. Wir wägen anhand des Krankheitsverlaufs und der Konstitution jedes Patienten sorgfältig ab, welche Therapie die beste Wahl ist“, erläuterte Harzheim. „Denn bei COPD und Lungenemphysem muss der Patient nicht resignieren!“  
  
 

Kooperation im Landkreis

 
Vier Fünftel aller Lungenkrebsfälle lassen sich auf das Rauchen zurückführen. Bei männlichen Krebspatienten ist Lungenkrebs die häufigste, bei Frauen die zweihäufigste Todesursache. Operation, Bestrahlung und medikamentöse Therapie als klassische Therapiemöglichkeiten wurden in den letzten Jahren durch die so genannte Immuntherapie erweitert. Auch wenn nicht jeder Patient aufgrund seiner genetischen Veranlagung für eine Immuntherapie in Frage kommt, bietet sie bessere Überlebensraten und Verträglichkeit als die Chemotherapie. Hier arbeiten die Wangener Pneumologen und Thoraxchirurgen eng mit den Kollegen der Strahlentherapie Ravensburg und der onkologischen Praxen Onkonet zusammen, um jeden Patienten eine passgenaue Behandlung auch im ambulanten Sektor zu ermöglichen.   
  
Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für Emphysem, COPD und Lungenkrebs. Die beiden Chefärzte vom Lungenzentrum Südwest empfahlen daher, gar nicht erst anzufangen – oder schleunigst damit aufzuhören. Seit dem letzten Jahr engagiert sich das Lungenkrebszentrum West in der Prävention durch regelmäßige Veranstaltungen wie „ohne Kippe“. Dabei werden Jugendliche auf eindrucksvolle Art und Weise über das Rauchen aufgeklärt, um gar nicht erst anzufangen. Für Raucher wird in Zukunft eine individuelle Rauchersprechstunde angeboten werden.  
  
 
Info
 
Dr. Dominik Harzheim und Dr. Philipp Meyn leiten als Chefärzte im Kollegialsystem die Pneumologischen Klinik an den Waldburg-Zeil Fachkliniken Wangen seit dem 1. August 2018 gemeinsam. Dr. Dominik Harzheim, der in Jena studierte und promovierte, sammelte Berufserfahrung unter anderem in Kempten, dem Universitätsklinikum Heidelberg (Thoraxklinik) und am Universitätsklinikum Ulm. Der Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie ist seit 1. Mai an den Fachkliniken Wangen tätig. Dr. Philipp Meyn, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Zusatzbezeichnung Intensivmedizin, und Facharzt für Anästhesiologie, kehrte an seine frühere Arbeitsstätte zurück.   
  
 
Pressemeldung vom 18.2.2019  
  
 
  
  
 
Veröffentlicht am: 10.03.2019  /  News-Bereich: News vom Träger
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