Waldburg-Zeil Kliniken
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„WER NICHT RAUCHT, DER IST DER STAR“

Dr. Dominik Harzheim zu Gast bei Veranstaltung in der OSK

Ravensburg - Auch wenn der Marlboro-Mann in der Zigarettenwerbung es einst anders transportierte: Rauchen hat nichts mit Freiheit und Abenteuer zu tun. Damit möglichst viele Jugendliche erst gar nicht anfangen, dem todbringenden Glimmstängel zu verfallen, lädt die Oberschwabenklinik (OSK) unter der Leitung von Günther Wiedemann jährlich zu einer Präventionsveranstaltung. Heuer moderierte die Gymnasiastin Hannah Eisele die Vorträge, zu denen etwa 150 Schüler der siebten Klassen gekommen waren. 
Im Hintergrund läuft auf der Leinwand in Endlosschleife das Video eines Herzultraschalls. Tock-tock, tock-tock. Man meint beim bloßen Betrachten der Herzmuskelbewegung den Herzschlag zu hören. Davor, am Mikrofon vor der Schar von etwa 150 Gymnasiasten aus dem benachbarten Welfen- und Albert-Einstein-Gymnasiums steht Manne Lucha. Der Minister für Soziales und Integration sagt unumwunden: „Uff, Gott sei Dank habe ich vor 13 Jahren das letzte Mal mit dem Rauchen aufgehört“. Und in seiner schelmischen Art vermag er selbst diesem ersten Thema noch etwas abzugewinnen. Als „Grüner“ zu rauchen, das sei wie wenn ein Staatsanwalt auf Beutezug ginge, scherzt er. Aber er verweist auch auf den bundesweiten Wettbewerb „Be smart, dont start“, der rauchfreie Schulklassen fördert und ein ordentliches Preisgeld in die Klassenkasse spülen kann.  
  

Patientin berichtet über ihre Krankheit

  
  
Den Gedanken, eine Antirauch-Kampagne für Schüler ins Leben zu rufen, hatte der damalige Schulleiter des Bildungszentrums Meckenbeuren, Roland Heppting. Aus einer Sucht-Projektwoche an seiner Schule erwuchs vor 12 Jahren der Gedanke, die Aufklärung bei seinen Schülern durch einen Fachmann von außerhalb machen zu lassen. Bei Günther Wiedemann, dem Onkologiespezialisten und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin an der OSK. „Genau hier, wo die Suchtauswirkung behandelt wird“, sagt Heppting abseits der Veranstaltung. Er sei jahrelang mit zwei Bussen und seinen Schülern aus Meckenbeuren in die OSK zu Wiedemann gefahren, dem er eine „tolle Vermittlungsdidaktik“ bescheinigt. Wiedemann hat wohl auch immer einen jungen Moderator dabei. Als authentisches Bindeglied.  
  
Heuer fungiert die 14-jährige Hannah Eisele aus Schlier als Moderatorin. Die Achtklässlerin erzählt unaufgeregt, sie selbst habe ihren Opa gar nicht mehr kennengelernt, weil er als starker Raucher an Krebs starb bevor sie zur Welt gekommen ist.  
  
Wie sich der Kampf gegen Krebs anfühlt, darüber spricht eine Patientin aus der Fachklinik in Wangen, die mit ihrem behandelnden Arzt aus der Pneumologie, Dominik Harzheim, extra zur Veranstaltung gekommen ist. Sie habe als junges Mädchen mit 16 angefangen zu rauchen. Dem Gruppenzwang damals nachgegeben, erzählt sie ernst. Ohne sich der Risiken bewusst zu sein. Nun leidet sie an bösartigem Lungenkrebs. Als die Frau die Folgen einer aggressiven Chemotherapie demonstriert und ganz offensiv die Perücke abnimmt, da klatschen die Schüler aus vollem Herzen. Das ist mutig. In einem knackigen Vortrag informieren Wiedemann und drei seiner Kollegen über die hochgiftigen Zusatzstoffe im Tabak, nehmen sich den Mythos „Nikotin macht glücklich“ vor und zeigen genau, wo der Rauch-Spaß aufhört. Nämlich bei der Raucherlunge, beim Herzinfarkt, beim Hirnschlag. Oder beim Raucherbein. Die nekrotischen weil buchstäblich abgestorbenen Zehen auf der Leinwand machen selbst die coolsten unter den zwölf- bis 13-jährigen Jungs im Publikum mundtot.  
  
Potenzprobleme werden thematisiert, auch die Hautalterung. Alles bedingt durch die Gefäßverengungen, die jahrelanger Nikotingenuss verursacht – und anschaulich illustriert anhand eines verkalktes Wasserrohrs, das ein Gefäßchirurg zur Vereinfachung zeigt. Und die –Achtung!- auch durch Shishas und E-Zigaretten begünstigt werden können.  
  
Fazit des einstündigen Vortrags: Rauchen macht nicht schlank. Rauchen entspannt nicht. Und Rauchen ist nicht cool. Im Gegenteil: Raucher sterben früher. Und ab sofort soll gelten: Wer nicht raucht, der ist der Star. Die jugendlichen Gymnasiasten scheinen nachdenklich. 
„So ein Vortrag beeindruckt, da ist jede Stunde Mathe nachrangig“, resümiert der ehemalige Schulleiter. Und Minister Lucha entlässt die Schülerinnen und Schüler mit den Worten: „Ich wünsche euch ein schönes, wildes und rauchfreies Leben!“  
  
 
Artikel aus: Schwäbische Ravensburg, 18.01.2019, ein Bericht von Barbara Sohler 
 
Veröffentlicht am: 25.01.2019  /  News-Bereich: News vom Träger
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