Zurück ins Leben nach schwerem Reitunfall

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Wie neurologische Rehabilitation, Geduld und ein Pferd Franz Mayer neue Perspektiven schenkten

Wie neurologische Rehabilitation, Geduld und ein Pferd Franz Mayer neue Perspektiven schenkten

Ein Sonntag im Juli 2022 verändert das Leben von Franz Mayer aus Meckenbeuren von einem Moment auf den anderen. Bei einem Ausritt mit seinem Hengst „Golden“ stürzt der erfahrene Reiter schwer. Wenig später kämpfen Ärztinnen und Ärzte um sein Leben. „Ich lag mit nur zwei Prozent Überlebenschance auf dem OP-Tisch“, erinnert sich Mayer heute.

Die Diagnose ist schwerwiegend: ein ausgeprägtes Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutung sowie mehrere Knochenbrüche. Franz Mayer ist zunächst gelähmt, kann nicht laufen, verliert seine Sprache und Teile seines Gedächtnisses. An ein selbstbestimmtes Leben ist in diesem Moment kaum zu denken.

Der Weg zurück beginnt

Nach der notfallmedizinischen Versorgung und einer lebensrettenden Operation in der Oberschwabenklinik Ravensburg folgt die neurologische Frührehabilitation in den Fachkliniken Wangen. Dort werden die ersten Grundlagen für seine Genesung gelegt.

Anschließend setzt Franz Mayer seinen Weg in der Rehaklinik Bad Wurzach fort. Über mehrere Wochen arbeitet er gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten intensiv daran, verloren gegangene Fähigkeiten zurückzugewinnen. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie greifen dabei eng ineinander.

Der Weg ist alles andere als geradlinig. Während der Rehabilitation stürzt Mayer erneut und bricht sich ein Bein. Nach einer Operation kehrt er in die Rehaklinik zurück und setzt seine Therapie konsequent fort.

„Ich musste lernen, geduldig zu sein“, sagt Mayer rückblickend. „Fortschritte kamen nicht von heute auf morgen.“ Besonders wichtig sei für ihn gewesen, dass ihm das Team der Rehaklinik Bad Wurzach immer wieder Mut machte und ihn darin bestärkte, an sich zu glauben. „Mir wurde gezeigt, dass jeder kleine Schritt zählt.“

Ein stiller Moment voller Zuversicht

Auch nach dem Rehaaufenthalt arbeitet Franz Mayer konsequent an seiner Selbstständigkeit. Mit Hund und Rollator lernt er erneut zu gehen, strukturiert seinen Alltag neu und setzt sich kleine, erreichbare Ziele.

Besonders wichtig bleibt für ihn die Verbindung zu seinem Pferd. Als er nach der Rehabilitation zum ersten Mal wieder in den Stall kommt, legt sein Pferd ruhig den Kopf auf seine Schulter. Für Franz Mayer ist dieser Augenblick weit mehr als eine Geste.

„In diesem Moment habe ich gespürt, dass Vertrauen wieder da ist.“

Im September 2023 steigt er erstmals wieder in den Sattel. Heute reitet Franz Mayer wieder regelmäßig. Auch beruflich findet er Schritt für Schritt zurück in den Alltag und arbeitet wieder in seiner Versicherungsagentur in Tettnang.

Aus Dankbarkeit entsteht eine neue Idee

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Franz Mayer nachhaltig geprägt. Aus Dankbarkeit für seinen eigenen Weg möchte er heute etwas zurückgeben. Gemeinsam mit dem RSV Krumbach hat er die Initiative ergriffen, ein Angebot für therapeutisches Reiten für Kinder mit körperlichen und psychischen Einschränkungen aufzubauen. Ziel ist es, jungen Menschen durch den Kontakt mit Pferden neue Zuversicht, Selbstvertrauen und Lebensfreude zu schenken.

Ein wichtiger Meilenstein dafür wurde erst vor Kurzem erreicht: Gemeinsam wurde in der Schweiz ein besonders geeignetes Pferd ausgewählt und gekauft, das künftig im therapeutischen Reiten eingesetzt werden soll. Damit wird aus Franz Mayers persönlicher Geschichte ein Projekt, das auch anderen Menschen neue Perspektiven eröffnen möchte. Die positive Wirkung des therapeutischen Reitens auf Körper und Psyche ist gut dokumentiert und wird seit vielen Jahren in verschiedenen rehabilitativen und pädagogischen Kontexten genutzt.

Neue Perspektiven sind möglich

Im Sommer 2025 erfüllt sich Franz Mayer schließlich noch einen weiteren Traum: Drei Wochen arbeitet er auf einer Ranch in Wyoming und unterstützt Cowboys beim Treiben von rund 4.000 Rindern aus den Bergen ins Tal – ein Erlebnis, das nach seinem Unfall kaum vorstellbar gewesen wäre.

Seine Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass der Weg zurück ins Leben selten gerade verläuft. Sie macht aber auch deutlich, was möglich ist, wenn moderne Akutmedizin, spezialisierte neurologische Rehabilitation und persönlicher Wille zusammenkommen. Für Franz Mayer waren dabei nicht nur die Therapien entscheidend, sondern vor allem die Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet, motiviert und immer wieder daran erinnert haben, dass auch kleine Fortschritte große Schritte sein können.