Künstliche Intelligenz

Eine Frau schaut in den Laptop. Eine Frau schaut in den Laptop. Eine Frau schaut in den Laptop.

Mein Freund, die KI

Die künstliche Intelligenz (KI) bestimmt heute viele Bereiche unseres Zusammenlebens. Inzwischen führen Menschen Freundschaften und Beziehungen mit ihr. Das kann stabilisierend wirken, birgt aber auch Gefahren.

Als der Film „Her“ 2013 in die Kinos kam, lief er unter dem Label Science-Fiction. Er erzählt die Geschichte eines introvertierten Angestellten, der nach einer Trennung viel Zeit mit einer sprachgesteuerten KI verbringt – und sich schließlich in sie verliebt. Heute, etwas über zehn Jahre später, ist das Realität. Die KI ist inzwischen in die verschiedensten Bereiche unseres Alltags vorgedrungen, auch in den intimsten: den unserer persönlichen Beziehungen. Menschen nutzen Chatbots wie ChatGPT, um freundschaftlich über Probleme zu reden, sich Ratschläge bei Lebensfragen abzuholen. Sie erschaffen mit Apps wie Replika virtuelle Kunstfiguren (Avatare) nach ihren Wünschen. Und sie freunden sich mit ihnen an oder verlieben sich sogar in sie. Aber ist das überhaupt möglich: Freundschaft mit einer KI bis hin zu einer Liebesbeziehung? Einerseits, das zeigen Studien, laufen innere Verbindungen und selbst das Verlieben über den Kopf. Es braucht kein persönliches Treffen. Sprache ist der Schlüssel. Es reicht, wenn man sich austauscht und verstanden fühlt. Dann werden im Hirn dieselben Botenstoffe ausgeschüttet. Auch Komplimente entfalten dieselbe Wirkung, wenn sie von einer Maschine kommen. Hinzu kommt die Neigung des Menschen, Maschinen menschliche Charaktereigenschaften zuzuschreiben, sie zu vermenschlichen, wenn man so will. Der Ratschlag einer KI wirkt dann wie der Rat einer guten Freundin oder eines guten Freundes. Andererseits stoßen innige Beziehungen zu einer KI auch an Grenzen, vor allem wenn es um körperliche Empfindungen geht. Man kann sich beispielsweise in die KI verlieben. Die kann antworten. Aber sie liebt einen nicht zurück. „Parasozial“ nennt die Wissenschaft diese Art von Beziehungen, einseitig. Dabei sind es nicht zwingend einsame Menschen, die Beziehungen zu einer KI eingehen. Einer Studie der Universität Duisburg-Essen zufolge ist vor allem relevant, ob jemand fähig ist, sich in romantische Fantasiewelten zu träumen – und weniger, wie einsam oder was für ein Beziehungstyp er oder sie ist.

Stabilisierend einerseits, isolierend andererseits 

Ob freundschaftliche oder gar Liebesbeziehungen zu einer KI einem Menschen guttun oder eher schlecht sind – dazu weisen Studien verschiedene Ergebnisse auf. Einerseits kann der Austausch mit einer KI schüchternen Menschen helfen, aus sich herauszugehen; vielen fällt es leichter, sich einer Maschine gegenüber zu öffnen. Die KI kann damit stabilisierend wirken. Andererseits kann diese Form der Interaktion Menschen, die ohnehin zum Rückzug neigen, noch stärker in die Isolation treiben. Gefährlich, da ist sich die Wissenschaft einig, wird es an dem Punkt, ab dem man unfähig ist, zwischen Imagination und Realität zu unterscheiden. In den USA nahm sich ein 14-Jähriger das Leben, vermeintlich, um seinem weiblichen KI-Avatar näher zu sein. Er hatte vorher mehrfach mit dem Avatar über Suizid gesprochen. Expertinnen und Experten fordern daher stärkere Sicherheitsvorkehrungen seitens der Unternehmen, etwa eine Prüfung, welche Themen die KI aufgreift.

Letztlich, auch das gehört zur Wahrheit, sind Beziehungen zu einer KI häufig auch ein Geschäftsmodell, besonders wenn es um Liebesbeziehungen geht. Die Basisversion der App Replika etwa erlaubt es, sich kostenlos eine Begleiterin oder einen Begleiter zusammenzustellen – für eine virtuelle Freundschaft. Wünscht man einen intimeren Austausch, eine wirkliche Partnerin oder einen wirklichen Partner, geht das auch. Dazu muss man allerdings ein Abo abschließen. Aber wie beeinflussen diese Verbindungen echte Freundschaften oder Liebesbeziehungen? Die KI ist so programmiert, dass sie ihr menschliches Gegenüber spiegelt, allerdings nur im positiven Sinn. Sie kennt keine Widerrede, hat keine eigenen Bedürfnisse. Man kann sie auch einfach abschalten, wenn man seine Ruhe haben will. Kritische Stimmen mahnen, dass Menschen so die Fähigkeit verlieren, in Beziehungen Kompromisse einzugehen. Und Beziehungen zu einer künstlichen Intelligenz zeigten auch eine Schieflage bezüglich Loyalität und belastbaren Beziehungen zwischen Menschen auf, so die Sozialpsychologin Dr. Johanna Degen im Podcast Y-Kollektiv der ARD: Keiner laufe herum und wolle am liebsten mit einer Replika zusammen sein. Aber: „Wir sind grundsätzlich erschüttert und misstrauisch. Und das spiegelt sich dann in Ausweichbewegungen wider.“ 

Unabhängig davon, ob die Folgen positiv oder negativ sind, in einem sind sich die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einig: KI wird auch in Zukunft in unsere Beziehungen hineinwirken. Die amerikanische Neurowissenschaftlerin Bethanie Maples von der Stanford University geht laut „Spiegel“ sogar davon aus, dass in einigen Jahren jeder Mensch mindestens eine virtuelle Begleiterin oder einen virtuellen Begleiter haben wird. Liebesbeziehungen zu einer KI werden dann keine Besonderheit mehr sein.