Negative Glaubenssätze
Neuer Satz, neues Glück
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, dachte Monika Resch früher – und kam deshalb oft an ihre Grenzen. Heute hilft die Psychologin anderen Menschen, sich von negativen Glaubenssätzen zu befreien.
Wenn Monika Resch nach einem anstrengenden Arbeitstag abends ihr Büro verlässt, kennt sie manchmal das Gefühl, trotzdem zu wenig geleistet zu haben. Die 37-jährige Psychologin aus Niederbayern wuchs in der Landwirtschaft auf und erlebte, dass „richtige“ Arbeit körperliche Arbeit ist, bei der man schwitzt und nach der das Feld anders aussieht als zuvor. Ihre heutige Arbeit fordert sie hingegen mental: Monika Resch studierte berufsbegleitend mit Masterabschluss, arbeitete in einer psychosozialen Beratungsstelle und in der Klinik Niederbayern in Bad Füssing. Dann eröffnete sie ihre eigene Privatpraxis für systemische Therapie, Stress- und Konfliktmanagement. Dort sitzt sie oft am Schreibtisch, organisiert ihre Arbeit, klärt Termine und schreibt E-Mails. „Wenn ich abends den Laptop zuklappe, ist nichts davon sichtbar, was ich den ganzen Tag gearbeitet habe.“ Der negative Glaubenssatz der Therapeutin war demnach: Nur wenn ich mich körperlich angestrengt habe, darf ich erschöpft sein. „Mir wurde erst später bewusst, dass man auch nach mentaler Arbeit Pausen machen darf.“



Negative Glaubenssätze plagen viele Menschen. Auch Monika Resch stand immer wieder einer im Weg, ohne dass es ihr bewusst gewesen wäre. „Ich war oft erschöpft und müde und wusste gar nicht, warum. In meiner Wahrnehmung hatte ich ja gar nicht viel gearbeitet. Erst als ich genauer reflektierte, fiel mir auf, dass ich sehr wohl viel gearbeitet hatte.“ Beispiele für negative Glaubenssätze gibt es viele: „Ich darf keine Fehler machen“, „Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste“, „Ich bin immer für alles verantwortlich“, „Ich bin nicht gut genug“, „Ich kann das nicht“ oder „Ich bin nicht schön“. „All das sind Wahrheiten über die Welt, die in unserem Kopf gebildet werden“, erklärt die Expertin. Sie entstehen durch Erfahrungen, das kulturelle Umfeld, durch Vorbilder und Familienmitglieder. „Es lässt sich kaum vermeiden, im Laufe des Lebens den einen oder anderen negativen Glaubenssatz zu entwickeln. Hilfreich ist aber, zu merken, wenn ein Glaubenssatz mehr schadet als nützt.“
Neuer Glaubenssatz: wie eine neue Sprache
Glaubenssätze bestimmen, wie wir Situationen wahrnehmen, Entscheidungen treffen und mit uns selbst umgehen. „Wenn ich mir erst dann eine Pause erlaube, wenn ich körperlich gearbeitet habe, dann überhöre ich meine innere Stimme, dass ich erschöpft bin.“ Mit den richtigen Glaubenssätzen aber könne man sich den eigenen Wert immer wieder bewusst machen, Selbstvertrauen stärken, Depressionen vorbeugen und eine positive Lebensgestaltung unterstützen. „Wichtig ist: Der neue Glaubenssatz muss sich gut und stimmig anfühlen, emotional ansprechend und positiv formuliert sein. Am besten schreibt man ihn auf und sagt ihn ein paar Wochen lang dreimal täglich auf, damit das Gehirn den neuen Glaubenssatz lernt wie eine neue Sprache.“
Doch wie schaffe ich es, mir das selbst zu glauben? „Durch Selbsterfahrung“, sagt Monika Resch. „Das Gehirn sammelt neue Erfahrungen, wenn ein Glaubenssatz ins Positive verändert worden ist.“ Oft helfe auch ein Abgleich mit der Realität: „Manche Menschen mit sehr vielen Weiterbildungen trauen sich bestimmte Aufgaben nicht zu, weil ihnen angeblich die Kompetenz fehlt.“ Da lohne sich die Frage: Liegt das an der fehlenden Ausbildung oder darfst du lernen, dir selbst zu vertrauen? Es sind kleine Schritte, einer nach dem anderen: Tut mir das gerade gut? Kann ich etwas verändern? „Erst wenn man Jahre zurückblickt, wird es sich vielleicht wie eine große Veränderung anfühlen“, sagt Monika Resch. Etwas Angst sei dabei unbedenklich. Sie empfiehlt, mit Offenheit, Achtsamkeit und Selbstmitgefühl vorzugehen und dabei präsent zu bleiben. „Denn im Hier und Jetzt denke ich weniger über Zweifel nach.“ Rückfälle in alte Muster kennt die 37-Jährige selbst auch. Es sei sogar biologisch erklärbar, dass gerade in Stressphasen das eigene System gern alte Gewohnheiten herausholt für vermeintliche Sicherheit. Dann atmet Monika Resch tief durch und fragt sich: Wie habe ich heute auf mich geachtet? Und sie erkennt, dass sie Pausen verdient hat – auch ohne auf ein frisch gepflügtes Feld zu blicken.