Organspende
Auf Herz und Nieren
Die Wartelisten für Spenderorgane sind in Deutschland lang. Fehlinformationen halten viele Menschen davon ab, sich als Spenderinnen und Spender zu registrieren. Sozialarbeiterin Leonie Brack aus der Klinik im Hofgarten klärt auf.
„Ich bin zu alt oder zu krank, um meine Organe zu spenden.“
Bei Organspenden zählt der Zustand der Organe, nicht das Alter der Spenderin oder des Spenders. Daher gibt es keine Altersgrenze. Der bisher älteste Organspender Deutschlands war 98 Jahre alt. Vorerkrankungen sind dann ein Ausschlusskriterium, wenn bei potenziellen Spenderinnen und Spendern eine akute Krebserkrankung, eine unbehandelbare Infektion oder ein positiver HIV-Befund vorliegt. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden Ärztinnen und Ärzte basierend auf individuellen Befunden, ob eine Spende möglich ist.



„Angehörige einer Spenderin oder eines Spenders können erfahren, wer das Organ erhalten hat.“
Das stimmt nicht. Die Empfängerin oder der Empfänger bleibt anonym und erfährt im Umkehrschluss auch nicht, wer das Organ gespendet hat. Die Angehörigen von Spenderinnen und Spendern haben jedoch die Möglichkeit, über die Deutsche Stiftung Organtransplantation zu erfahren, ob die Transplantation erfolgreich war. Über deren Website können außerdem anonym Dankesbriefe an die Spenderfamilie verschickt werden.
„Im Ernstfall erhalten Organspenderinnen und -spender eine schlechtere medizinische Versorgung.“
Diese Sorge ist unbegründet. Ärztliches Personal ist gesetzlich dazu verpflichtet, alle Patientinnen und Patienten bestmöglich zu versorgen. Die Frage nach einer Organspende bleibt dabei so lange irrelevant, bis alle lebensrettenden Maßnahmen ausgeschöpft sind und der Hirntod festgestellt worden ist. „Hirntod“ bedeutet, dass alle Funktionen des Gehirns vollständig und unumkehrbar ausgefallen sind – ein eindeutiges Todeszeichen. Der Hirntod wird immer von zwei unabhängigen und erfahrenen Fachärztinnen oder -ärzten festgestellt, die sich dabei streng an die Richtlinien der Bundesärztekammer halten müssen. Kommt es zu einer Organspende, dürfen sie nicht beteiligt sein, wenn die Organe entnommen und übertragen werden.
Unter die Haut
Gino Tandel arbeitet als Physiotherapeut in der Rehabilitationsklinik Bad Salzelmen. Mit seinen Tattoos setzt er ein Zeichen für Organspenden.
Wann und warum haben Sie sich dafür entschieden, Organspender zu sein?
Ich habe mit 16 Jahren meinen Motorradführerschein gemacht und bin durch einen Vortrag an der Fahrschule auf das Thema aufmerksam geworden. Wenn Motorradfahrerinnen und -fahrer besonders schnell gefahren sind, habe ich früher oft zynische Sprüche gehört wie: „Der wird mal ein Organspender.“ So habe ich mich erstmals mit dem Thema auseinandergesetzt und schnell eine Entscheidung getroffen: Ich brauche meine Organe nach dem Tod nicht mehr und möchte sie dann spenden, um Leben zu retten.



Haben Sie selbst einen persönlichen Bezug zu dem Thema?
Für meinen Vater stand eine Weile die Möglichkeit einer Organspende im Raum. Außerdem erlebe ich bei meiner Arbeit jeden Tag, wie viele Menschen schwere Schicksale erleiden. Ich hatte zwar noch keine Patientinnen oder Patienten mit Spenderorgan, aber trotzdem bestärken mich ihre Geschichten in meinem Wunsch, Menschen zu helfen.
Sie haben sich das Tattoo am Fuß und am Hals stechen lassen. Wie hat ihr Umfeld reagiert?
Insgesamt positiv. Meine Mutter hatte sich anfangs über die Stelle am Hals aufgeregt – die ist natürlich sehr auffällig. Aber als sie es dann gesehen hat, fand sie es cool. Viele Familienangehörige, Kolleginnen und Kollegen haben mich darauf angesprochen und wir sind dadurch über das Thema Organspende ins Gespräch gekommen. Patientinnen und Patienten haben mich bislang noch nicht nach den Tattoos gefragt. Aber manchmal erzähle ich es von mir aus und dann reagieren alle interessiert.
Was raten Sie Menschen, die noch keine Entscheidung zu diesem Thema getroffen haben?
Ich würde ihnen empfehlen, sich bei seriösen Quellen zu informieren – etwa unter organspende-register.de. Wichtig ist auch, das eigene Vorwissen kritisch zu hinterfragen. Wenn ich mit Mythen oder Falschwissen konfrontiert werde, hilft es mir, die Faktenlage gut zu kennen.
Sie haben sich noch ein zweites Tattoo am Hals stechen lassen. Was hat es damit auf sich?
Mit dem Tattoo zeige ich, dass ich auch Stammzellenspender bin. Das Symbol heißt TwinWin. „Twin“, also „Zwilling“, bezieht sich auf den genetischen Zwilling, der für eine Stammzellenspende erforderlich ist. Und „Win“ bedeutet „Gewinn“: Wer spendet, rettet ein Leben, und wer die Spende erhält, kann weiterleben. Ich hoffe, dass ich Menschen durch das Tattoo daran erinnern kann, wie leicht es sein kann, anderen zu helfen.