Unverzichtbare Reinigungskräfte
Die Geschichtensammlerin
Reinigungskräfte sorgen im Hintergrund dafür, dass sich Patientinnen und Patienten in den Kliniken wohlfühlen können und Mitarbeitende in einer sauberen, sicheren Umgebung arbeiten.
Mittwochmorgen, Haus C, zweites Obergeschoss – Petra Weber schiebt einen Reinigungswagen durch die Gänge der Argentalklinik in Isny-Neutrauchburg. Toilettenpapier und Klobürsten, Mikrofasertücher, Wischbezüge und Wäschenetze sind darauf in bunten Behältern sortiert. Ein Patient, der vor dem Aufzug wartet, erkennt sie von Weitem. „Guten Morgen, Frau Raumpflegerin.“ „Raumkosmetikerin“, verbessert sie ihn. Beide lachen. Er verschwindet im Aufzug, sie greift nach den Putzhandschuhen. Der Wagen steht jetzt vor C229 – dem ersten von 26 Zimmern, für die Petra Weber bis zu ihrer Mittagspause zuständig ist.



Je nach Wochentag unterscheiden sich ihre Aufgaben. Heute wird sie Oberflächen abstauben, Badezimmer reinigen, Mülleimer leeren und Betten machen. Dafür pendelt sie zwischen dem Zimmer und dem Wagen, greift abwechselnd nach Putzutensilien und Reinigungsmitteln. Wie lange sie braucht, hängt vor allem vom Zustand der Zimmer ab. Ein letzter Blick durch den Raum, dann zieht sie die Tür ins Schloss. Der Wagen rollt über den Teppichboden – nächstes Zimmer. In C228 ist die Patientin abgereist. Weil solche Räume komplett gereinigt werden müssen, beanspruchen sie am meisten Zeit. Zu Schichtbeginn hatte Petra Weber die Patientin verabschiedet, einmal noch hatten die Frauen gemeinsam gelacht. Keine Stunde später ist das Zimmer leer und gereinigt. Eine neu angereiste Patientin zieht ihren Koffer durch den Gang und bleibt davor stehen. „Gehen Sie ruhig rein, ist schon fertig.“ „Wirklich?“ Die Antwort klingt erleichtert. Die beiden wechseln ein paar Worte, dann wendet sich Petra Weber dem nächsten Zimmer zu. Bis zur Mittagspause ist sie immer in Bewegung, schüttelt Bettdecken aus, kniet über Duschabflüssen und steigt auf Leitern, um die obersten Fächer der Kleiderschränke auswischen zu können.
Den Kontakt mit Patientinnen und Patienten genießt Petra Weber: „Ich rede gern mit ihnen, während ich putze, und freue mich, wenn ich ab und zu einen Witz machen kann.“ Seit 35 Jahren arbeitet sie in dem Beruf. In dieser Zeit haben sich viele Geschichten angesammelt: Mal zeigte ihr eine Patientin Fotos von ihrem Hochzeitskleid, ein anderes Mal erzählte ein Patient von seinen Enkelkindern oder seinen Operationen.
Petra Weber lernt sie so gut kennen wie sonst nur wenige Mitarbeitende der Argentalklinik: Sie sieht in den Zimmern, welche Bücher sie lesen und welche Snacks sie in der Cafeteria gekauft haben, sieht Kreuzworträtsel und eingerahmte Familienfotos. Die 62-Jährige achtet darauf, ihre Arbeit gründlich zu erledigen, aber sie hört den Menschen auch zu und interessiert sich für sie. Trifft sie beim Putzen auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Zimmer, fragt sie, wie sie am liebsten die Bettdecke zurechtgelegt hätten. Und als in der Vergangenheit ein Patient vergessen hatte, T-Shirts einzupacken, oder ein anderer eine Batterie für seinen Wecker benötigte, hatte sie ihnen beides in der Stadt besorgt. „Warum auch nicht?“, fragt sie.
In der Argentalklinik 1 arbeiten 21 Reinigungskräfte und eine Teamleitung. Sie sorgen dafür, dass sich Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende in einer sauberen Umgebung wohlfühlen können. Außerdem verhindern sie Infektionen, indem sie Keime und Krankheitserreger bekämpfen. Petra Weber hat das Ende des Gangs erreicht, als ihr ein Patient auf Krücken entgegenkommt. „Da ist ja mein Freund, der Feuerwehrmann“, ruft sie. „Du reist morgen ab?“ „Ganz genau.“ „Schade, es war nett mit dir.“ „Ich schicke dir jeden Tag ein Video von mir!“ Sie lachen, er läuft weiter. Bald wird auch sein Zimmer leer sein. So ist das in der Argentalklinik: Jeden Tag reisen Menschen an, werden zu Vertrauten, dann reisen sie ab. Monat für Monat, Jahr für Jahr. Petra Weber arbeitet gern hier. Selbst nach dreieinhalb Jahrzehnten in diesem Beruf findet sie immer noch Freude an den Menschen und ihren Geschichten.





