Lebenswege: Maximilian Mechler
Was jeder aus Rückschlägen lernen kann
Der ehemalige Profi-Skispringer Maximilian Mechler macht Patienten Mut.
Blaue Jeans, weißes T-Shirt, weiße Turnschuhe: Locker steht Maximilian Mechler samt Mikrofon vor den 100 Gästen im Foyer der Rehabilitationsklinik Bad Wurzach. Ebenso locker plaudert der ehemalige Profi-Skispringer von Erfolgen, Niederlagen und dem Mut, etwas Neues zu wagen. Mechler ist als Promi in der Region beliebt. Das zeigt die große Anzahl an Gästen aus der Umgebung, die neben den Patienten in der Einrichtung der Waldburg-Zeil Klinik den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Lebenswege – der Kliniktalk“ mitverfolgen.



„Skispringen ist bis heute meine Leidenschaft. Ich habe sie zum Beruf gemacht“, sagt Mechler, der mit dem Team 2012 Silber bei der Weltmeisterschaft gewonnen hat im Gespräch mit Moderator und Klinikleitungsreferent Christof Folkerts. Die Leidenschaft hat den heute 42-Jährigen bereits mit fünf Jahren gepackt. Da steht der kleine Maximilian bereits auf den Skiern, um über kleinen Schanzen ein Stück abheben zu können. Die Anfänge waren ganz unspektakulär: Beim Ski fahren sei er erst über Hügel gesprungen. „Dann kommen auch mal größere und am Ende springt man von der Schanze“, sagt Mechler mit einem Schulterzucken und lächelt ins Publikum. Dass der Nachwuchs-Sportler in der Folgezeit wohnortnah überhaupt trainieren kann, hat er seinem Vater zu verdanken. Dieser baut gemeinsam mit dem Vater seines jungen Sportkollegen Daniel Maier die Hasenbergschanzen: Eine 15-, eine 30- und eine 60-Meter-Schanze in Isny. Bald stellen sich auch erste Erfolge ein: Mechler überzeugt in den nächsten Jahren die Trainer vom C- bis zum A-Kader mit großartigen Leistungen. Mit 15 Jahren – mitten im „Schmitt-Hannawald-Hype“ – glänzt er mit seinem Saisonschnitt und springt immer weiter zu größeren Erfolgen bis hin zu vorderen Plätzen bei Weltcup-Veranstaltungen oder der Weltmeisterschaft. „Das waren wilde Zeiten“, erzählt er dem Publikum schmunzelnd.
Belastende Rückschläge
Doch zwischendurch wird der Sportler auch ernster. Dann, als er auch nach seinen Rückschlägen gefragt wird. Denn auf den frühen Sprung in die Weltspitze folgt eine schwierige Phase. In der Saison 2005/2006 rutscht Mechler sportlich bis in die zweite und dritte Leistungsklasse ab. Besonders belastend ist für ihn damals, wie eng sein persönliches Wohlbefinden mit seinen Ergebnissen verknüpft ist. „War der Skisprung-Tag gut, ging es mir auch gut. Sonst nicht“, beschreibt er seine damalige Gefühlswelt. Erst mit der Zeit lernt er, seine sportlichen Leistungen nicht länger mit seinem eigenen Wert als Mensch gleichzusetzen.
Aufgeben kommt für Mechler dennoch nicht infrage. „Zu lernen, Niederlagen im Sport nicht persönlich zu nehmen, war als junger Mensch nicht leicht“, erinnert er sich. Rückschläge, sagt er heute, gehörten zum Sport und zum Leben dazu. Diese Haltung gibt er heute als Trainer des Deutschen Ski Verbands (DSV) seinen Nachwuchs-Athleten mit. Und er möchte es an diesem Abend auch den Gästen mitgeben und insbesondere den Reha-Patienten Mut machen: Nach einer schlechten Phase gehe es darum, den eigenen Weg Schritt für Schritt wieder bergauf zu gehen. Rückblickend könne er deshalb dankbar auf seine Laufbahn schauen: „Skispringen war und ist mein Leben.“



Nächste Generation am Start
Mit dem Kliniktalk möchte Klinikdirektor Pepe Kaiser den Gästen Zuversicht vermitteln und dazu „ein paar inspirierende Persönlichkeiten“ nach Bad Wurzach holen, wie er zur eingangs zur Begrüßung sagt. Das ist mit Skispringer Maximilian Mechler gelungen. Und möglicherweise folgt irgendwann die nächste Generation. Die steht schon in den Startlöchern. „Selbstverständlich“, lächelt Mechler, haben seine Tochter (6) und sein Sohn (7) bereits ihre ersten Sprünge absolviert.